1. August 2014  |  Breaking NewsWand + Dach

„Wände atmen nicht, das haben sie noch nie getan“

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Dipl.-Ing. Jürgen Stupp, Vorsitzender des Verbands der Gebäudeenergieberater in Hessen (GIH-Hessen), zu Mythen über Dämmung und Schimmelbildung

Was sind die Ursachen für Schimmelbildung?

Jürgen Stupp: Schimmel an Wänden entsteht, wenn die Wandoberfläche in den Räumen unter 12,8°C und die relative Luftfeuchte in den Wohnungen über 70 Prozent liegt. Diese für eine Schimmelbildung typischen Bedingungen lassen sich gerade in Gebäuden ohne Dämmung, besonders in Schlafräumen oder Gebäudeecken, vorfinden. Die Wärmedämmung verhindert gerade den Wärmeverlust und damit das Auskühlen der Wände. Die Wandoberfläche ist annähernd so warm wie die Raumluft.

Und wenn sich in gedämmten Gebäuden doch Schimmel bildet?

Jürgen Stupp: Richtig ist, dass eine mangelhaft ausgeführte Dämmung zu feuchten Wänden und gegebenenfalls sogar zur Schimmelbildung führen kann. Wenn allerdings fachgerecht gedämmte Wände schimmeln, herrscht eine zu hohe Luftfeuchte. Meist wird eine Wanddämmung mit dem Austausch von alten Fenstern verbunden. Die neuen dichten Fenster verhindern dann die bisherige „Zwangslüftung“ durch undichte Fugen der alten Fenster.

Stimmt es, dass Wände durch die Dämmung nicht mehr atmen können und feucht werden?

Jürgen Stupp: Wände atmen nicht, das haben sie noch nie getan. Wenn das so wäre, müsste niemand bei geöffnetem Fenster schlafen. Das Atmen der Wände bedeutet, dass die Wandoberfläche Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und nach und nach wieder an die Raumluft abgeben kann. Feuchtetransport durch die Wand findet so gut wie nicht statt. Auch ma-chen Dämmsysteme Wände nicht dichter. Alle für eine Wanddämmung zugelassenen Dämmstoffe werden auch auf die Dampfdiffusion geprüft. Bei ihnen gelangt der Wasserdampf leichter nach außen. Wenn eine Wand durch die aufgebrachte Dämmung durchfeuchtet, so liegt ein Baufehler vor

Es heißt, Dämmung an der Fassade verhindert die Wanderwärmung durch die Sonne und die Nutzung dieser Sonnenwärme. Ist das so?

Jürgen Stupp: Sicher erwärmt die Sonne die Fassadenoberfläche. Und Wärme wandert immer zur kälteren Seite der Wand. Das dauert lange und ist Bauphysik. Die Sonnenwärme wandert so lange von außen nach innen, wie es draußen wärmer ist. Wir heizen aber im Winter, wenn es draußen kalt ist. Wir dämmen die Wände, um weniger zu heizen. Verzichten wir auf die Dämmung, wandert die Wärme ungehindert vom beheizten Innenraum nach außen. Wir ha-ben die Kosten für die Dämmung gespart, aber keine Energie. Kein Steinhaus wird im Winter durch die Sonneneinstrahlung warm. Es wird stets eine Heizung benötigt.

Über Gebäudeenergieberater in Hessen e. V. (GIH-Hessen)

Im GIH-Hessen sind rund 140 qualifizierte hessische Energieberater organisiert. Der Verein ver-steht sich als Treuhänder seiner Auftraggeber. Er unterstützt sie dabei, bei sämtlichen Maß-nahmen rund um Energieeffizienz die richtigen Entscheidungen zu treffen. In einem Vertrau-ensverhältnis entwickeln erfahrene und kompetente Berater und Planer unabhängig von Her-steller- und Lieferanteninteressen maßgeschneiderte Lösungen, die eine optimale Ausnutzung des Energieeinsatzes gewährleisten. Darüber hinaus helfen sie, alle Fördermöglichkeiten auszu-schöpfen. Die hessischen Energieberater begleiten und kontrollieren sämtliche ausgewählten Maßnahmen.

Weitere Informationen: www.gih-hessen.de

Quelle: offenes Presseportal

 
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