9. Januar 2014  |  AllgemeinBreaking NewsInterior

Ursula Geismann, Trend- und Designexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, erklärte anlässlich der heutigen Pressekonferenz zur imm Cologne und living interiors 2014:

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Möbel 2014: Alles wird bunter, lauschiger und bequemer
Wohnen 2014: Global-Mix mit einem Hauch von Romantik
Homing 2.0: Inszenierung ist angesagt

Eine neue Phase des Wohnens hat begonnen. Für die meisten Menschen wird das Wohnen wichtiger und daher auch attraktiver. Das hat seine Gründe. In den „emerging markets“, wie Russland, Indien oder China partizipieren immer mehr Menschen am Wohlstand. So haben sie mehr Einkommen und können mehr Geld in die Ausstattung ihrer eigenen vier Wände investieren. Weltweit wird das Geschäft mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen daher immer bedeutender. Der weltweite Möbelkonsum hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf rund 309 Milliarden Euro verdoppelt. Für das Jahr 2013 wird von einer Steigerung des weltweiten Möbelkonsums um 3 bis 4 Prozent ausgegangen. Pro Mensch in Peking, über Ulan Bator, über Mombasa, über Hyderabad bis Washington sind das 44 €.

Ein Blick auf die Industrienationen zeigt, dass vor allem wir Deutschen das Wohnen lieben. Man sieht dies schon an den stabilen Pro-Kopf-Ausgaben allein für Möbel von 390 € pro Jahr. Hinzu kommen die Ausgaben für Accessoires und Dekorationen, die mit 100-150 € pro Jahr angesetzt werden können. Damit sind die Deutschen Europameister, wenn nicht sogar Weltmeister beim Wohnen. In Deutschland wird das Thema Wohnen aber schon lange nicht mehr nur von den verfügbaren Einkommen gesteuert. Es ist vielmehr eine Frage des grundsätzlichen Interesses und dieses steigt. Wir gehen davon aus, dass immer mehr Menschen sich gerade bewusst werden, dass sie rund 340 Tage im Jahr im eigenen Zuhause sind.

Das Wohnbewusstsein steigt

Diese These eines größeren Wohnbewusstseins wird beispielsweise durch die Zufriedenheit der Verlage dokumentiert, die Wohnzeitschriften auf den Markt bringen. Trotz Internet sind sie alle mit dem abgeschlossenen Geschäftsjahr 2013 zufrieden, denn sie konnten ihre Auflagenzahlen steigern. Auch die Fernsehsendungen zum Thema Wohnen und Einrichten reißen nicht ab. Die Baugenehmigungen im privaten Wohnungsneubau, die ebenfalls in den vergangenen vier Jahren angestiegen sind und inzwischen rund 217.000 neue Wohneinheiten pro Jahr ausmachen, zeigen das steigende Interesse ebenfalls. Insgesamt wohnen derzeit deutlich über 50 Prozent der deutschen Bevölkerung im Wohneigentum. Selbst bei den Singles sind rund 20 Prozent Wohnungseigentümer. Hier gibt es allerdings ein erhebliches Stadt-Land-Gefälle, denn in den großen Städten haben die Bürger weniger gut die Möglichkeit, ihren Wunsch von einer eigenen Wohnung zu realisieren.

Gleichzeitig wird das generelle Produktangebot über alle Industriezweige hinweg immer größer. Täglich kommen weltweit rund 5.000 neue Produkte auf den Markt, was die Konkurrenzlage erheblich verschärft. Diese Gemengelage ist typisch für sich am Individuellen orientierende und fernab aller Existenznot befindliche Gesellschaften. Wer schon alles hat, braucht neue Angebote, bei denen er zugreift. Nicht nur für unsere Branche stellt insbesondere der aktuelle Elektroniksektor einen ernsthaften Wettbewerber dar. Nach neuen Studien ist den Menschen das Smart Phone und der Tablet PC heute wichtiger als das einstige Prestige-Objekt Auto. An den Handys – meinen manche Forscher – ist der Sozialstatus heute besser ablesbar als am Auto.

Sozialstatus Wohnen

Homing 2.0. kommt uns deshalb zugute, weil die Menschen immer mehr Sensibilität für das Wohnen entwickeln und darin auch längst einen Sozialstatus sehen. Bewertungen in den oben beschriebenen Medien über gute und schlechte Wohnungsaufteilung und Wohnungseinrichtung finden nämlich täglich statt. Immer mehr Menschen bekommen ein immer besseres Gefühl für individuelles Wohnen. Sie reißen mutig Wände ein, bauen Raumteiler, drehen Funktionsräume innerhalb der Wohnungen, verlegen Fußböden, tapezieren und streichen, investieren in neues Licht und kaufen letztendlich neue Möbel und Einrichtungsgegenstände, die sie mit vorhandenen kombinieren. Die deutschen Heimwerkermärkte sind bis auf einige Ausnahmen erfolgreiche Anbieter für den beliebten DIY-Bereich und erwirtschafteten einen hohen Umsatz von rund 18,6 Mrd. € im Jahr 2012; ähnlich hoch wie der der gesamten deutschen Möbelindustrie.

08/15 will keiner mehr

„Pimp my Home“, das „Doping für die Wohnung“, hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Wir erwarten daher eine weitere Zunahme des Umsatzes mit Gegenständen rund ums Wohnen. Besonders attraktiv kommt der Garten als neu wahrgenommener Wohnraum unter freiem Himmel hinzu und auch die Entdeckung von Boden, Wand und Decke. Bei den Wandverkleidungen reicht das aktuelle Angebot daher weit über die 08/15-Tapete hinaus. Hier geht der Trend zu Funktionstapeten etwa mit besonderem Wärmeschutz oder der Soundtapete, in der die Lautsprecher gleich eingedruckt sind. Es geht um Wandpaneelen aus Steinimitat oder Fliesen mit furnierter Oberfläche. Selbst individuelle Lichtschalter werden angeboten, dazu Wandbilder und Wandtattoos, vertikale Kleingärten oder selbst gestaltete Tapetenmuster. Ähnlich vielfältige Angebote bietet auch der Fußbodenbereich, von Parkett über Laminat bis hin zu Teppich: Alles ist möglich.

Das Neujahrsfeuerwerk des Wohnens: die imm cologne 2014

Im Vorfeld der  und   2014 hat der Verband der Deutschen Möbelindustrie wie auch in den vergangenen Jahren eine Trendbefragung bei den Ausstellern durchgeführt. Im Folgenden werden nun die wichtigsten Trends und Tendenzen im Möbel- und Einrichtungsangebot der neuen Saison 2014 beschrieben.

In früheren Zeiten spielte bei der Gestaltung von industriellen Produkten, wie Autos, Möbeln und Einrichtungsgegenständen der Geschmack der Zeit die Hauptrolle. Dieser war stets abhängig von der Beschaffungsseite, von den produktionstechnischen Möglichkeiten, von den Kosten und von dem, was unter „modern“ verstanden wurde. Heute ist der Geschmack der Zeit auch wichtig, aber Individualisierung und Globalisierung konterkarieren ihn mehr und mehr. Der Wunsch nach Individualisierung hat weitreichende Folgen für die Möbelhersteller. Die Variantenvielfalt ist in den vergangenen Jahren derart gewachsen, dass selbst bei relativ einfachen Möbeln präzise Bestellvorgänge notwendig wurden. Ein kleines Sofa hat beispielsweise über 400 Möglichkeiten einer persönlichen Auswahl. Breite, Tiefe, Höhe, Bezugsstoff und seine Aufmachung, Füßchenauswahl, Sitzhärte, Verstellbarkeit, Auflagenstückzahl und –gestaltung, ausfahrbare Schemelfunktion, mechanisch oder elektrisch, und den Spezialwünschen wie „Allergiker geeignet“, mit Lumbagostütze, mit Bioleder etc. Der moderne Kunde orientiert sich individuell und genau auf seine ureigenen Bedürfnisse zugeschnitten.

Global-Mix mit einem Hauch von Romantik

Grundsätzlich im Trend liegt alles in allem ein Global-Mix mit einem Hauch von Romantik. Im Gegensatz zum kühl virtuellen Internet wollen die Menschen im eigenen Zuhause Gemütlichkeit, harmonische Formen und Farben und wohnliche Accessoires. Gegenstände werden bewusst ausgewählt und „authentisch inszeniert“. Dieses in Szene setzen heißt, dass Gegenstände nicht zufällig irgendwo hingestellt werden, sondern ganz bewusst im Raum angeordnet sind, so dass ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Der Global-Mix erlaubt dabei Einrichtungsideen und auch Möbel aus allen Weltkulturen. Es entstehen nie dagewesene Wohnwelten, die immer weniger Rückschlüsse auf die Zeit und auf den Ort ihres Daseins zulassen. Der moderne Mensch wohnt in Shanghai, New York, Kapstadt und Hamburg im Global-Mix. Fernab der Urbanisierung hinken ländliche Regionen den Megatrends jedoch deutlich hinterher. Wo früher typische Kulturen das Wohnen bestimmten, wie etwa das typisch skandinavische Design oder die typisch altdeutsche Form, sind es heute Megatrends, die weltumspannend in den Metropolen ihren Anfang finden. Zumindest das Großstadt-Wohnen wird zum Abbild einer globalen Moderne.

Bitte kein Etikettenschwindel

Die individuelle Ausführungsauswahl wird auch in der kommenden Saison durch den Megatrend Natur dominiert. Die grüne Leidenschaft findet ungebrochen statt. In Dekorationen und Accessoires aber auch im Mainstream des Möbelangebotes wird nach natürlichen und gesunden Materialien gesucht. Natürlich, naturbelassene, authentische, ehrliche Materialien haben den Vorzug. Man verbindet mit ihnen das Gesunde, das, was einem gut tut und bei dem man weiß, was man hat. Das zeigt sich etwa beim wachsenden Anteil von Massivholzmöbeln ebenso wie bei den textilen Bezügen der Polstermöbel. Wolle und Wollfilz, Baumwolle und Hanf sind beliebter denn je und in Sachen Leder wird das biogegerbte und fast naturbelassene Leder bevorzugt. Glas wird als Frontscheibe für Wohnwände gegenüber Kunststoffen bevorzugt.

Liegedusche und beruhigendes Licht

Technologie und Gesundheitsansprüche fusionieren im Badbereich ganz deutlich. Überdies haben die Designer das Badezimmer entdeckt und aus dem einstigen Waschraum eine Wohlfühloase gemacht. Das wilde, unberechenbare Element Wasser wird im modernen Badezimmer gebändigt und geführt. Es wird für den Menschen nutzbar gemacht und bleibt doch starker Bestandteil von Natur. Wasserstrahlen sprühen aus propellerartigen Duschköpfen oder sanftem Regen ähnlich aus großen Tellerbrausen. Inzwischen gibt es sogar Liegeduschen für ein ganz neues Wascherlebnis. Der überall beschworene barrierefreie Duschzutritt ist in aller Munde und pusht die Badbranche. Badmöbel sind elegant geworden und die zentrale Deckenleuchte ist abgelöst durch indirekte Lichtvielfalt. Der Fußboden ist barfuß angenehm warm und der kleine, im Spiegel eingebaute TV-Monitor informiert mit bewegten Bildern. Es steht fest, das Bad des 21. Jahrhunderts ist erfunden. Es kombiniert technische Weiterentwicklungen und den Anspruch ans entspannte und damit gesunde Wohlfühlen.

Bequem, bequem, bequem

Im Betten- und Matratzenbereich und natürlich auch bei den Polstermöbeln kommen die Menschen weg von der einst so gelobten harten Liege- und Sitzqualität. Bequemlichkeit wird heute mit einem weichen Liege- und Sitzgefühl gleichgesetzt und erst dann als komfortabel empfunden. Mag sein, dass dies auch der zunehmenden Globalisierung zu verdanken ist, denn typisch europäisch war das Liegen und Sitzen auf sehr festem Untergrund. Angenehm ist der weiche Modus natürlich auch bei dem weiter wachsenden Angebot von Esssesseln. Man bleibt lieber vier Stunden am Esstisch sitzen, als ins Wohnzimmer umzuziehen. Hier ist die weichere Polsterung sicherlich sinnvoll. Neuester Trend bei den Esssesseln ist eine Kombination verschiedener Modelle. Wenn man sechs Esssessel benötigt, kauft man sechs unterschiedliche Modelle, manchmal eines Herstellers, manchmal in der gleichen Farbfamilie aber auch immer öfter ganz verschiedene Entwürfe. Auch hier zeigt sich der Trend weg vom Einheitslook. Polstermöbel insgesamt werden organischer und runder. Überhaupt gibt es eine Hinwendung zu mehr Romantik und Wärme beim Wohnen.

Im Bettenbereich wird das Angebot der Polsterbetten noch einmal zunehmen. Diese sind meist schon alleine technisch bedingt auch weicher. Doppelte Boxspring-Varianten erinnern zudem an Hotelaufenthalte, Urlaub und Entspannung und erfreuen sich in Deutschland weiter wachsender Beliebtheit.

Wohnwände werden Wand-Puzzle

Bei der Nachfrage nach Wohnwänden wird in der kommenden Saison weniger nach Stauraum gefragt, sondern mehr nach elektrischer Grundausstattung. Das Home-Entertainment muss dort seinen Platz finden, man will keinen Kabelsalat und keine nachgerüsteten Kabelkanäle sehen. Wohnwände werden noch einmal kleiner, sind nicht mehr so wuchtig, aber mit viel Technik ausgestattet. Neben Anschlüssen für die vielen Stromverbräuche werden sie auch zunehmend mit LED-RGB-Lichttechnik, sei es im Vitrinenbereich oder gesamt hinterleuchtet angeboten. Module gewinnen nochmals an Bedeutung. Sie sind außerdem auch untereinander kombinierbar, wodurch wieder sehr individuelle Lösungen entstehen. Nach wie vor findet der Flachbildschirm hier seine Heimat, weshalb flexible Schwenkarme gang und gäbe werden.

Bunt ist meine Lieblingsfarbe

Die Farbe Weiß bei Möbeln wird bleiben, ist aber auf dem Rückzug. Bei vielen Möbeln wird Weiß durch helles Grau abgelöst. Weiß hat den unschlagbaren Vorteil der fast grenzenlosen Kombinierbarkeit. Das ist in der kommenden Saison auch wichtig, denn das Wohnen wird bunter. Starke Unis bei Polstermöbeln, Schränken, Regalen werden als Akzent bewusst gespielt. Knallige Farben und eine enorme farbliche Vielfalt kehren zurück. Wir werden viel Blau, Violett, aber auch Petroltöne sehen. Das ganze Spektrum der Naturtöne wird vor allem im Holzmöbelangebot eine Rolle spielen. Helle Farben wirken für die meisten Menschen munter und elegant, mitteltönige Farben lebhaft und optimistisch und dunkle Farben seriös und eher konservativ. Ornamentemuster nehmen noch einmal zu und erinnern an Details in den Gemälden von Gustav Klimt. Bei allen Stoffen spielt eine angenehme Haptik die herausragende Rolle. Es wird gefühlt, gestreichelt und sich angeschmiegt. Das Berührte muss sich gut anfühlen, sonst hat es keine Chance.

Sturm und Blitz verschonen dich, o Eiche

Das kommende Jahr ist das Jahr der Traubeneiche. Mag sein, dass es daran liegt, dass auf jedem Kupfercent ihr Konterfei zu sehen ist: Bei den Hölzern ist nach wie vor die Eiche das angesagte Trendholz. Bei der Vielfalt der Hölzer ist der Trend so langsam verwunderlich, denn er widerspricht der gewünschten Individualität deutlich. Diese wird bei der Eiche vor allem durch unterschiedliche Oberflächen kompensiert. Von samtglatt bis zu rubbelig-rau, in der wie auch immer veredelten Außenseite findet jeder Käufer seinen bevorzugten Geschmack. Nussbaumholz verteidigt seine elegante Stellung, auch Kirschbaum wird zu sehen sein.

Kein Spiegelbild mehr auf dem Schrank

Zuerst bei elektrischen Klein-Apparaten, dann bei schnellen Autos und jetzt hält matter Lack wieder Einzug in die Möbelwelt. Hochglanzlacke haben ihren Zenit überschritten. Die Kombination mit Lack und echtem Holz, sei es massiv oder als Furnier, ist bei Kastenmöbeln sehr beliebt. Sie machen aus jedem Möbel ein individuelles Einzelstück.

Übrigens: Stil hat nichts mit Trends zu tun

Neben den jetzt absehbaren Wohntrends 2014 begrüßen wir die individuelle Nachfrage und steigende Sensibilität für das Wohnen sehr. Die Menschen vergegenwärtigen sich nicht nur zur kalten Jahreszeit, dass sie sich mindestens 340 Tage im Jahr im eigenen Zuhause wohlfühlen wollen.

Die in der kommenden Woche öffnende   und  2014 gibt uns den besten Überblick der neuesten Wohn- und Möbel- und Einrichtungsideen. Freuen wir uns darauf.

Mehr Informationen erhalten Sie unter: http://www.style4rooms.de/living-interiors

 
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