11. Juni 2009 | Fenster + Türen • Wand + Boden + Dach + Dämmung
Nachhaltig Bauen und Modernisieren
Keine Frage: Energieeffizienz und die Schonung der natürlichen Ressourcen – das sind die Megathemen unserer Zeit und gleichzeitig eine gesellschaftliche Herausforderung, die jeden etwas angeht. Wir verbrennen heute weltweit an einem einzigen Tag soviel Gas, Öl und Kohle, wie die Natur in einer Million Jahren geschaffen hat. Dass es so nicht ewig weitergehen kann, ist klar.
In Deutschland hat die Bundesregierung in den so genannten Meseberger Beschlüssen festgelegt, dass die CO2 -Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gesenkt werden sollen. Dies gilt sowohl für die Wirtschaft, als auch für private Haushalte. Denn hier entstehen immerhin 37 Prozent aller Treibhausgase. Investition in die Zukunft Wer beim Bauen und Wohnen ans Energiesparen denkt, tut nicht nur etwas für die Umwelt, sondern auch für den eigenen Geldbeutel. Die deutschen Haushalte haben nach einer Studie der Postbank im vergangenen Jahr rund 100 Milliarden Euro für Energie ausgegeben. Das sind immerhin gut 7 Prozent der gesamten Konsumausgaben. Eine gewaltige Summe – und die Kosten steigen unaufhaltsam, eine Kehrtwende ist nicht in Sicht. In den eigenen vier Wänden ans Energiesparen zu denken macht also Sinn. Bei Neubauten ist es heute möglich, den jährlichen Energiebedarf auf bis zu 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche zu begrenzen. Niedrigenergiehäuser sind dabei heute Standard, denn bereits seit Februar 2002 müssen laut Gesetz alle Neubauten dem Niedrigenergiestandard genügen. Allerdings fällt der Anteil der bereits bestehenden Niedrigenergiehäuser am gesamten Gebäudebestand in Deutschland noch kaum ins Gewicht.
Von der Energieschleuder zur Spardose
Gerade Altbauten sind oft wahre Energiefresser, die einen jährlichen Energieverbrauch von etwa 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche haben. Undichte Fenster, schlechte Wärmedämmung, alte Heizungsanlagen: rund 28 Millionen Häuser und Wohnungen in Deutschland sind nach einer Schätzung des Umweltministeriums sanierungsbedürftig. Vor allem Nachkriegsgebäude haben oft eine verheerende Energiebilanz. Durch sinnvolle energetische Sanierungen könnten bis zum Jahr 2020 rund 40 Milliarden Euro Heizkosten eingespart werden, schätzt das Bundesbauministerium. Vorausgesetzt, die Möglichkeiten der Gebäudesanierung werden ausgeschöpft. Eine gute Energiebilanz ist seit Beginn des Jahres auch wichtig für Eigentümer, die Haus oder Wohnung verkaufen oder neu vermieten wollen. Sie müssen einen Energieausweis für das Gebäude vorlegen, aus dem Kaufinteressenten oder künftige Mieter den Energiebedarf der Immobilie ersehen können. Für Wohngebäude mit Baujahr 1965 oder früher gilt dies seit dem 1. Juli 2008 – ab dem 1. Januar 2009 dann für alle Wohngebäude. Ab 1. Juli 2009 wird die Pflicht auch auf Nichtwohngebäude ausgedehnt, wobei öffentliche Gebäude mit Publikumsverkehr das Zertifikat gut sichtbar aushängen müssen.
Der Energie-Check
Vor der Entscheidung, Maßnahmen zur energetischen Modernisierung der eigenen vier Wände durchzuführen, sollte durch eine Analyse geklärt werden, ob eine Sanierung sinnvoll ist und mit welchen Einsparungen gerechnet werden kann. Für eine erste grobe Einschätzung genügt es, die Wohnfläche des Hauses und den Heizwärmebedarf des vergangenen Jahres zu kennen. Damit kann auf einer Website der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unter der Internet-Adresse www.kfw.de berechnet werden, ob das Gebäude oder die Wohnung zuviel Heizenergie verbraucht und ob die Sanierung von Heizung und Gebäudehülle sinnvoll ist. Das dauert nur wenige Minuten. Der Test ist unabhängig, kostenlos und führt unmittelbar zu einem Resultat. Signalisiert dieser erste Check Handlungsbedarf, ist eine professionelle Energieberatung angesagt. Die kostet natürlich Geld. Dazu gibt es aber in vielen Bundesländern und Gemeinden Zuschüsse. Umfangreicher und gründlicher ist bundesweit die „Vor-Ort-Beratung“ durch besonders qualifizierte Ingenieure. Sie bezieht sich auf den baulichen Wärmeschutz, die Heizanlagentechnik und eine eventuelle Nutzung erneuerbarer Energien.
Der Energieausweis
Verbrauchsorientierter Ausweis: Grundlage der verbrauchsorientierten Variante ist der Energieverbrauch, den die Bewohner der Immobilie in den letzten Jahren hatten. In diese Variante fließt also auch das Verhalten der Bewohner ein. Wenn diese beispielsweise mehrere Räume nicht beheizen oder wenig gelüftet wird, hat dies eine zu gute Einstufung des Gebäudes zur Folge. Bedarfsorientierter Ausweis: Grundlage ist allein die vorhandene Bau- und Heiztechnik. Aus der Qualität der Heizungsanlage sowie des Wärmeschutzes wird der Heizwärmebedarf des Gebäudes ermittelt – unabhängig vom Heizverhalten der Bewohner. Vorgeschrieben ist ein bedarfsorientierter Energiepass nur bei Gebäuden mit weniger als fünf Wohneinheiten, die vor 1978 gebaut und seither nicht energetisch saniert wurden. Bei größeren, jüngeren oder sanierten Gebäuden besteht die Wahlfreiheit zwischen beiden Varianten.
Umweltbewußt heizen lohnt sich
Ein ganz wesentlicher Aspekt in Sachen Energiesparen ist das Heizsystem eines Gebäudes, denn rund 75 Prozent des Energieverbrauchs eines Haushaltes fallen für die Heizkosten an. Dabei glaubt die überwiegende Mehrheit der Deutschen, modernste Technik im Keller zu haben. Doch nur jede zehnte Heizungsanlage der insgesamt ca. 18.000 Heizungen in Deutschland ist auf dem neuesten Stand. Bis zu vier Millionen sind technisch veraltet und müssen dringend durch moderne energiesparende Wärmetechnik ersetzt werden. Jahr für Jahr kommen rund 300.000 Heizungen dazu, die die maximale Altersgrenze von 25 Jahren überschreiten. Eine Modernisierung der alten Anlagen zusammen mit einer energetischen Gebäudesanierung würde den Energieeinsatz zur Wärmeerzeugung bei diesen Gebäuden mehr als halbieren. Dazu gehören eine vollständige Wärmedämmung der Gebäudeaußenhülle, die Erneuerung der Fenster und der Heizungsanlage sowie eventuell die Installation einer Solaranlage. Bei den heutigen Energiekosten rechnet sich eine solche Investition bereits nach rund 15 Jahren.
Ökologisch bauen? Aber natürlich!
Acht von zehn Deutschen – so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der BHW Bausparkasse mit TNS Emnid – sehen in der alternativen Energieversorgung die beste Strategie, um den steigenden Preisen für Öl und Gas entgegenzuwirken und die Umwelt zu schonen.
Alternative Energieversorgung

Sonnenenergie: Die natürliche Kraft der Sonne kann mit Kollektoren genutzt werden, die Brauch- und Heizungswasser erwärmen. Eine andere Form der Solarnutzung ist die Fotovoltaik. Sie erzeugt Strom, der ins Stromnetz eingespeist wird. Dafür gibt es attraktive Vergütungen, die eine solche Investition lohnenswert machen können. Wärmepumpe / Erdwärme: Die nahezu konstante Temperatur im Erdboden lässt sich mit einer Wärmepumpe nutzen, die aber auch aus der Außenluft Wärme für Haus und Wohnung erzeugen kann. Biomasse: Bei der nachwachsenden Alternative zu Öl und Gas geht es um Rohstoffe wie Holz, Stroh, Gras und andere Pflanzen. Für den Hausgebrauch empfehlen sich sogenannte Holzpellets, die in einem Spezialkessel verbrannt werden. Unter Umweltgesichtspunkten ist diese Art der Holznutzung wesentlich sauberer als ein Kaminofen. Holzpelletöfen sind auch leichter zu bedienen, denn sie arbeiten vollautomatisch wie Gas- oder Ölkessel. Blockheizkraftwerk: Ein Blockheizkraftwerk ist eine Anlage, die Strom erzeugt, den man selbst nutzen oder verkaufen kann, indem man ihn in das öffentliche Netz einspeist. Darüber hinaus erzeugt das kleine Kraftwerk im Keller Abgaswärme, die das ganze Haus heizt. Obwohl es mit Gas, Heizöl oder auch Bio-Treibstoffen arbeitet, reduziert sich der Energieaufwand deutlich.
Lebensqualität steigern
Immer mehr Bauherren – und auch Mieter- erkennen, dass ökologisches und nachhaltiges Bauen und modernisieren die Wohnqualität steigert und finanziellen Nutzen bietet. Natürliche Baustoffe schonen dabei die Gesundheit und tragen ganz entscheidend zu mehr Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden bei. Dabei muss umweltfreundliches Bauen oder Sanieren nicht teuerer sein als der konventionelle Weg. Doch die Wahl der Baustoffe und die Abschätzung der Kosten einer ökologisch orientierten Bauweise stellt immer noch so manchen vor große Probleme. Forderungskatalog zum ökologisch orientierten Bauen:
- sparsamer und schonender Umgang mit Grund und Boden Verbrauch an Rohstoffen bei Bau,Nutzung und Abriss eines Gebäudes minimieren Verunreinigungen von Luft, Boden und Wasser
- vermeiden oder gering halten Abwärme, Abfälle und Lärmentwicklung auf das Nötigste reduzieren
- regenerative und emissionsarme Energieträger wählen sparsamer und rationeller Umgang mit Energie und Wasser
- Einsatz von umweltfreundlichen und gesundheitlich unbedenklichen Baustoffen (Quelle: Umwelbundesamt)
Wer umweltfreundlich bauen und renovieren will, sollte sich zunächst einmal mit den Grundsätzen des ökologischen Bauens vertraut machen. Das Umweltbundesamt in Berlin hat hierzu die wichtigsten Leitlinien in einem Forderungskatalog zusammengefasst. Ziel eines jeden Bauherren sollte es danach sein, in allen Phasen des Lebenszyklus seines Hauses – beginnend bei der Planung und dem Bau, der Nutzung und Erneuerung bis zum Abriss – den Verbrauch von Energie und Ressourcen zu minimieren. Das fängt bei der Wahl des Baugrundstückes an und endet bei der Berücksichtigung späterer Recyclingmöglichkeiten für die benutzten Baustoffe. Ein solches Verhalten schont nicht nur die Umwelt sondern bei intelligenter Planung auch den Geldbeutel.
Die Baufinanzierung
Bevor ein neues Haus gebaut – oder eine energetische Sanierung in Angriff genommen wird, muss die wichtigste Frage geklärt sein: Wie soll finanziert werden? Nur die wenigsten Bauherren sind in der glücklichen Lage, den Hausbau oder die Modernisierung ausschließlich aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Alle übrigen brauchen neben Eigenkapital zusätzliche Finanzierungsmittel wie Bauspardarlehen und Hypotheken. Eine Standardfinanzierung, die für jeden Haushalt geeignet ist, gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen der Bauherren. Wer sich vorab mit den Grundregeln der Baufinanzierung vertraut macht, kann die monatliche Belastung im Rahmen halten und seinem persönlichen finanziellen Leistungsvermögen anpassen.
Vergleichen hilft Geld sparen
Bevor sich der Bauherr oder Sanierer für eine Finanzierung entscheidet, sollten die verschiedenen Kreditangebote miteinander verglichen werden. Wichtig ist es, auf Eckdaten wie den Effektivzins, die Dauer der Zinsfestschreibung sowie die Gesamtfinanzierungskosten zu achten. Berücksichtigt werden müssen auch Nebenkosten wie Bearbeitungs- und Vermittlungsgebühren, Bereitstellungszinsen und Schätzkosten für Haus und Grundstück. Wer befürchtet, sich im Dschungel der Finanz-Fachbegriffe zu verirren, sollte die Hilfe von Fachleuten in Anspruch nehmen. Finanzierungsaufwand richtig einschätzen Wichtig ist, dass der monatliche Aufwand dauerhaft tragbar bleibt. Dabei müssen die persönlichen Finanzierungsmöglichkeiten realistisch geprüft werden: Wieviel kosten Haus und Grundstück? Wie hoch sind die Gesamtkosten für die Modernisierung der Immobilie? Welche staatlichen Förderungen können sicher eingeplant werden? Eine Faustregel: Der Aufwand für die Abzahlung von Hypotheken- und Bauspardarlehen sollte ein Drittel des monatlich verfügbaren Einkommens nicht überschreiten. Dazu gehören natürlich auch die Bewirtschaftungskosten wie kommunale Abgaben für Wasser und Grundsteuern sowie die Kosten für Strom und Heizung. Diese laufenden Kosten werden häufig unterschätzt.
Fördermittel prüfen
Der Staat fördert den sparsamen Umgang mit Energie im Eigenheim und ebenso Investitionen zur Nutzung erneuerbarer Energien wie Sonne, Erdwärme und Biokraftstoffe. Dreh- und Angelpunkt dieser Förderung sind die Programme der KfW-Förderbank. Diese Darlehen können ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung von ökologischen Bau- und Modernisierungsmaßnahmen sein. Die Bausparkasse BHW, der Baufinanzierer der Postbank, prüft bei allen Baufinanzierungsanträgen, welche KfW-Fördermittel in eine Finanzierung einbezogen werden können. Ganz wichtig: Anträge für die KfW-Fördermittel können Interessenten nur bei ihrer Hausbank oder dem Baufinanzierungsinstitut stellen. Und stets gilt die Regel: Erst Fördermittel beantragen, dann mit dem Bauen oder Modernisieren beginnen. Vorher informieren sollte man sich auch über Zuschüsse, die Bundesländer, Städte, Gemeinden und Energieversorger anbieten.
Buchtipps:
Individuelle Doppelhäuser und Reihenhäuser. Neubauten, Umbauten – Ideen für das eigene Haus
Doppelhäuser und Reihenhäuser sind nicht Einfamilienhäuser zweiter Klasse. Sie bieten zum einen die Vorteile des gemeinsamen, kostengünstigen Bauens, zum anderen die attraktive Wohnform des bewußten Zusammen-lebens. Darüber hinaus stellen Doppel- und Reihenhäuser durch geringeren Landverbrauch und Energieeinsparung eine zeitgemäße Alternative zum freistehenden Einfamilienhaus dar. Findige Architekten haben die mangelnde Individualität früherer monotoner Häuserzeilen mit Phantasie und Kompetenz überwunden. Daß ihre Hauskonzepte maßgeschneiderte Lösungen bieten und individuellen Ansprüchen genügen können, zeigen die 44 ganz unterschiedlichen Beispiele, die in diesem Buch vorgestellt werden. Einmal mehr eine konkrete Planungshilfe für das eigene Einfamilienhaus.Stephan Isphording ist freier Architekt mit eigenem Büro in Hamburg. Er hat zum Thema Architektur verschiedene Bücher geschrieben.
Kleine Grundstücke optimal nutzen: Wohnhäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Das Thema Bauen auf kleinen, ungünstig geschnittenen oder am Hang gelegenen Grundstücken wird mit den knapper werdenden Bauflächen im städtischen und vorstädtischen Bereich wie auch dem geringer werdenden Budget der Bauherren zunehmend wichtiger. Die Wahl eines kleinen Grundstücks – oft handelt es sich dabei um Restgrundstücke, Baulücken oder abgetrennte Bauparzellen vormals größerer Areale – ermöglicht es vielen Bauherren und Familien, in relativ zentraler Lage zu wohnen, anstatt auf immer seltener ausgeschriebene, oftmals auch abgelegene und eintönige Neubaugebiete angewiesen zu sein. Problematische Grundstücke können im Regelfall durchaus sinnvoll bebaut werden. Hierzu bedarf es allerdings ausgewiesener Fachleute als Planer und eines Fundus guter Ideen, die das Buch an mehr als 20 vorbildlichen Bauten präsentiert.




